Noch zum 30. Juni 2011 begann für Denzlingen die Energiewende: Die Bürgerenergiegenossenschaft nimmt ihre erste Anlage in Betrieb.

DENZLINGEN. Es war ein ehrgeiziges Ziel. Noch vor dem Monatswechsel sollte die Fotovoltaikanlage der Bürgerenergiegenossenschaft (BEG) auf dem neuen Rettungszentrum ans Netz gehen, um die Einspeisevergütung von 27 Cent je Kilowattstunde zu sichern.

"Es haben Viele dazu beigetragen, das Ziel rechtzeitig zu schaffen", betonte der BEG-Aufsichtsratsvorsitzende, Bürgermeister Markus Hollemann. Er dankte nochmals den Gründungsmitgliedern, die mit ihren Beiträgen die Erwartungen mehr als übertroffen hätten. "Als eines der letzten Mitglieder zeichnete die Gemeinde selbst, nachdem die Genehmigung erteilt war", so Hollemann, der sich auch darüber freut, dass sich Vereine und auch die Nutzer des Rettungs-zentrums, Rotes Kreuz und Feuerwehr, beteiligt haben.

Vorstand Walter Ott verwies darauf, dass die BEG auch über die Gemeindegrenzen hinaus Anklang finde. So hätten 43 Auswärtige Anteile im Wert von rund 130 000 Euro gezeichnet.

Lesen Sie den vollständigen BZ Artikels von Markus Zimmermann hier.

Die Gründungsmitglieder stellen per 3. Juni 2011 über 620.000 Euro bereit.

Denzlingens Bürger zusammen mit etlichen Bürgern aus anderen Gemeinden übertrafen die Erwartungen der Energiegenossenschaft bei weitem.

Dazu Auszüge aus einem Beitrag der Badischen Zeitung:

Die Rathausmitarbeiter und auch die zwei Vorstände Walter Ott und Matthias Schubien freuten sich am 3. Juni 2011, als um 12 Uhr die offizielle Zeichnungsfrist als "Gründungsmitglied" endete. Bis zum Schluss saßen Rathausbedienstete gestern in Büros, um neue Genossen aufzunehmen, die alle noch als "Gründer" in die Annalen dieser ersten Bürger-Energiegenossenschaft eingehen werden.Das machte sich durchaus bezahlt. Waren es vor Wochenfrist waren es gerade 200 Mitglieder, die Anteilsscheine im Wert von rund 430 000 Euro gezeichnet hatten, stieg die Zahl vor dem Himmelfahrtsstag auf 263 Mitglieder, die 538200 Euro als Anteile gezeichnet hatten.

Mit dem Finale der beachtlichen ersten Zeichnungsfrist ist die Genossenschaft gleich auf Anhieb weit über das erste Etappenziel, die Finanzierung der Photovoltaikanlage auf dem Dach des neuen Rettungszentrums an der Vörstetter Straße, die rund 405000 Euro kosten soll, hinausgeschossen.

"Wir müssen und werden uns von sofort an nach weiteren Projekten umschauen", so Vorstand Walter Ott auch gegenüber der Badischen Zeitung. Vorstellbar sei auf Dächern von kommunalen, aber auch privaten Gebäuden, weitere Photovoltaikanlagen zu errichten.

Darüber hinaus kann sich Bürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender Markus Hollemann aber in Kooperation mit anderen Energiegenossenschaften auch größere Projekte wie Windkraftanlagen vorstellen, die deutlich höhere Investitionssummen erfordern. Von daher ist das Ende der ersten Zahlungsfrist am 3. Juni nur Etappenziel, ist auch beim Generieren weiterer Mitglieder und Zeichnungsmittel Nachhaltigkeit gefordert.

"Der Auftakt ist mehr als außergewöhnlich", hatte schon vor Wochenfrist Elisabeth Strobel, die Vorsitzende des Verbandes der Bürgerenergiegenossenschaften in Baden-Württemberg die Resonanz bei den Bürgern gewürdigt.

Präsentation und PV Pilotanlage

Mit dieser Präsentation wurden die Bürger im Mai 2011 über die PV Plilotanlage auf dem Rettungszentrum informiert.

MITTE MAI  schreibt dann die Presse

Eine sehr beeindruckende Veranstaltung war die Gründungsversammlung der „BürgerEnergiegenossenschaft Denzlingen“ (BED) am Dienstag, 10.05.2011 im kleinen Saal des Kultur- und Bürgerhauses. Nach Abwicklung der zur Gründung einer Genossenschaft vorgeschriebenen Regularien zeichneten noch am selben Abend 136 Gründungsmitglieder eine Anteilsumme in Höhe von 175.000 Euro! Bürgermeister Markus Hollemann, der zum Vorsitzenden des Aufsichtsrates der neuen Denzlinger Genossenschaft gewählt wurde, zeigte sich zuversichtlich, dass man bereits in den nächsten Tagen die 200.000-Euro-Marke überschreiten werde und in naher Zukunft möglichst die kalkulierte Finanzierungssumme in Höhe von 405.000 Euro für die 1.170 Quadratmeter große Photovoltaikanlage als Startprojekt erreichen werde.

Weitere Projekte würden nach erfolgreicher Implementierung dieses Projektes folgen, sodaß auch höhere Zeichnungssummen den Erneuerbaren Energien zugute kommen.

Eingangs stellte der Energieberater der Gemeinde, Roland Hank, nochmals die Eckdaten der bis Ende Juni ans Netze gehenden Photovoltaikanlage mit einer Gesamtleistung von etwa 160 kWp vor. 715 Module würden dazu auf dem Dach des neuen Rettungszentrums montiert, womit der Jahres-Strombedarf von etwa 34 Haushalten gedeckt werden könne, nämlich etwa 136.000 Kilowattstunden. Ein montiertes Modul wird die Größe von 1,64 Quadratmeter haben. Neben der Produktgarantie von 5 Jahren sei eine 10-jährige Leistungsgarantie von 90 Prozent gewährleistet und darüber hinaus eine Leistungsgarantie in Höhe von 85 Prozent, die für 25 Jahre gegeben sein soll.

Für die jetzt unverzüglich zu leistenden Arbeiten, damit die Anlage bis Ende Juni ans Netz gehen könne, hätten zunächst 15 Firmen eine Zusage gegeben. Konkrete Angebote seien jedoch nur von 6 Fachfirmen eingegangen. Pro Jahr rechne man mit einer Stromvergütung in Höhe von 36.000 Euro, was einer kalkulierten Vergütung nach 20 Betriebsjahren von 734.400 Euro entspreche, wobei man von einer durchschnittlichen Einspeisevergütung von 0,2704 Euro pro Kilowattstunde ausgehe. Eher marginal sind die jährlichen Beträge für Wartung und Versicherung (je 1.000 Euro) und für Reparaturen in Höhe von 3.000 Euro.

Problemlose Wahlen

Nach der Informationsveranstaltung zur Gründung der BED, die am 18. April im Kultur- und Bürgerhaus stattfand und damals bereits von Elisabeth Strobel, der Vorsitzenden des Verbandes der Bürger-Energiegenossenschaften in Baden-Württemberg, maßgeblich geprägt war, lud man die sachkundige Dame auch zur Gründungsversammlung ein und übertrug ihr die Sitzungsleitung des Abends. Zuvor sprach Bürgermeister Hollemann einleitende Grußworte, wobei er unter anderem den Personen des vorbereitenden „Koordinationskreises“ dankte, die bereits bisher großes Interesse an der Gründung der Genossenschaft gezeigt hätten und zur Übernahme von unverzichtbaren Ehrenämtern in der Energiegenossenschaft bereit seien. Im Verlauf des Abends wurden diese vorgeschlagenen Personen schließlich auch in die entsprechenden Ämter gewählt.

Zuvor galt es jedoch, ein formal strenges Ritual zur Genossenschaftsgründung abzuwickeln, wobei ein Satzungsentwurf, der bereits seit einiger Zeit in der Homepage der Gemeinde vorgestellt wurde, relativ zügig zur Abstimmung gebracht werden konnte. Schließlich wurden folgende Personen in den Aufsichtsrat der BED gewählt: Markus Hollemann (Vorsitzender), Markus Nübling (Stellvertreter), Cornelia Günter, Dietrich Elchlepp, Werner Kern, Matthias Nübling, Michael Viesel, Wolfgang Kurz, Detlef Bührer, Siegbert Spittler. Im Vorstand der BED werden Walter Ott und Matthias Schubien tätig sein.

Anteile kosten 100 Euro

Abschließend bedankte sich Bürgermeister Hollemann für das große Interesse an der gegründeten BED, wobei er auch den Vertretern des Concordia-Männerchores für die Bewirtung dankte. Sodann lud er alle Denzlinger Bürgerinnen und Bürger sowie auswärtige Personen ein, auch in den kommenden Tagen im Rathaus der Genossenschaft beizutreten und entsprechende Anteile zu zeichnen. Eine entsprechend auszufüllende Beitrittserklärung ist an der Infozentrale des Rathauses Denzlingen erhältlich. Zugleich muss die gültige Satzung zur BürgerEnergiegenossenschaft vor Ort unterzeichnet werden. Die Anteile betragen jeweils 100 Euro, wobei man zunächst mindestens drei Anteile zeichnen muss, also 300 Euro. Danach kann man jeweils für 100 Euro weitere Anteile kaufen, maximal jedoch 500 Stück. Für Interessierte sind am kommenden Montag, 16. Mai, im kleinen KuB-Saal sowie am 24. Mai im Rocca-Saal jeweils um 19 Uhr weitere Informationsabende vorgesehen.

Von Helmut Gall